Thema: "Vermessung"

15.9.11

6. Ich habe das Gefühl, dass ein Topspi bei 7/8 Rigg unter ORC Club bestraft wird.
    Ist das so?

    Grundsätzlich wird die zusätzliche Segelfläche korrekt berechnet und ins VPP eingegeben.
    Wenn aber ein Topspi übermässig gross ist, so dass der Geschwindigkeits-Gewinn nur
    noch minimal ist, kann sich dies im Rating negativ auswirken.
    Fazit: Ein Topspi ist, vor allem bei Langstreckenregatten, sicher kein Nachteil.
    Er darf aber nicht zu gross sein!

5. Warum muss der ORC Club Messbrief jedes Jahr erneuert und bezahlt werden?
    Als einziges wissenschaftliches Ausgleichssystem (alle anderen Systeme sind rein empir-
    ische Formeln oder sogar nur Erfahrungszahlen) errechnet ORC Club die Ratings auf der
    theoretischen Bootsgeschwindigkeit bei verschiedenen Windstärken und Windeinfalls-
    winkeln. Hierfür braucht es ein Geschwindigkeits-Vorhersageprogramm (VPP), wie es
    auch zum Bau von Americas Cup-Yachten und anderen Rennyachten benötigt wird. Das
    VPP wird dauernd auf Grund von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen verbessert.
    Diese jährlichen Änderungen ergeben gerechtere Ratings, bedingen jedoch eine Erneue-
    rung der Messbriefe. Dass diese dauernde Grundlagenforschung auch hohe Kosten ver-
    ursacht, die u. a. durch die Messbriefkosten gedeckt werden müssen, ist selbstredend.

4. Was ist der Vorteil einer Windstärken-abhängigen Vergütung?
    Gerade bei den Kreuzer-Regattayachten gibt es grosse Unterschiede in den Segeleigen-
    schaften. Die leichteren Boote mit Binnenriggs und grossen Segelflächen haben bei lei-
    chten Winden sicherlich Vorteile gegenüber den schwereren Booten mit geringerer
    Segelfläche. Bei Starkwind liegen die Vorteile eher umgekehrt. Diese Eigenschaften kann
    nur ein modernes und ausgeklügeltes Ausgleichssystem berücksichtigen. ORC Club ist
    das einzige Ausgleichssystem, das eine Windstärken-abhängige Vergütung erlaubt.

3. Warum erfolgt die Gruppeneinteilung nach dem GPH-Wert?
    Was sagt er aus und ist er für unsere Binnensee-Verhältnisse ebenfalls optimal?

    Das ORC Club-System und die momentan angewandte windabhängige Auswertungsart
    basiert auf der vorberechneten Zeit (in sec.), die ein Boot bei einer bestimmten Wind-
    stärke für eine Distanz von 1 sm benötigt. Diese Auswertungsart nennt man "Time on
    Distance". Da ein Boot für verschiedene Windstärken verschiedene "Zeitbedarfs-Werte"
    = Ratings hat, musste man sich auf einen bestimmten Mittelwert einigen, um verschie-
    dene Boote miteinander vergleichen zu können. Seit vielen Jahren wird international der
    GPH-Wert (General Purpose Handicap) angewandt. Dabei handelt es sich um das Mittel
    des "Zeitbedarfs-Wertes" bei 6 kn und 12 kn Windstärken für einen Rundkurs von 1 sm
    Länge. Der GPH ist somit auch für unsere Verhältnisse ein brauchbarer und gerechter
    Wert, zumal er lediglich zur Gruppeneinteilung und nicht zur Regattaauswertung Anwen-
    dung findet. Die Gruppeneinteilung ist somit sehr objektiv und keinesfalls willkürlich, wie
    gelegentlich behauptet.

2. Da die ORC Club-Formel nicht bekannt ist, kann ich Segeländerungen zur Optimie-
    rung des Ratings nicht selbst rechnen. Was gibt es für Möglichkeiten?

    Die "ORC Club Formel" ist nicht bekannt, da es sich bei ORC Club nicht um eine Formel,
    sondern um ein kompliziertes Ausgleichssystem handelt, in dem Hunderte von Formeln
    zur korrekten Bewertung von Rumpfform, Stabilität, Wasserwiderstand und Vortrieb inte-
    griert sind. Die Messbriefzentrale rechnet auf Anfrage hin Probemessbriefe für verschie-
    dene Segelkonfigurationen aus. Die Interpretation der Resultate bleibt jedoch dem
    Eigner überlassen, da es kein eigentliches Optimierungsprogramm gibt.

1. Warum kann man als Teilnehmer die gerechnete Zeit nicht selbst nachrechnen?
    Die z.Zt. angewandte Berechnungsart ist die genauste und gerechteste aller Möglich-
    keiten. Sie berücksichtigt die theoretische Bootsgeschwindigkeit jedes Bootes bei allen
    Windstärken. Dies ist nur möglich dank der genauen Vermessung von Rumpf, Rigg und
    Segel im ORC Club Ausgleichssystem. Nur ein komplexes Computerprogramm kann diese
    Auswertung vornehmen. Um eine ungefähre Ahnung vom Geschwindigkeitspotential der
    verschiedenen Boote bei unterschiedlichen Windstärken zu haben, werden auf den
    Bootslisten hier die entsprechenden Richtwerte publiziert.


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